Welches Saxophon soll ich spielen?

Welches Saxophon soll ich spielen?

Die Frage nach dem richtigen Saxophon ist eine schwierige, zumal man oft im Nachhinein erst die Vor- oder Nachteile eines bestimmten Saxophons erkennt, und diese auch immer Geschmacksache sind.

 

Alt oder Tenor?

Bei Kindern kommt eigentlich nur das Alt-Saxophon, das typische Einsteiger-Instrument in Frage. Das Saxophon wird, damit es bequem zu spielen ist, mit einem Gurt um den Hals gehängt (es gibt etliche ergonomischere Lösungen, die ich für Kinder sehr empfehlen kann).
Das Tenorsaxophon ist dabei für Kinder einfach zu schwer und insgesamt zu groß, die Klappen für Kinderhände zu weit auseinander.Das Sopransaxophon wäre für kleine Hände am besten geeignet, es ist vom Ansatz her aber schwieriger zu spielen als das Altsaxophon und für die Körperhaltung anstrengender.
Es gibt Extraanfertigungen für Kinder, von denen ich aber nur abraten kann, da sie klanglich nachhinken und meist schlecht verarbeitet sind.
Kindern und Jugendlichen kann ich daher das Alt-Saxophon raten.

 

Ab 15 oder 16 Jahren, sobald die entsprechende Körpergröße erreicht ist, kann man auch sofort mit dem Tenorsaxophon beginnen. Nachdem alle Saxophone die gleichen Griffe haben, kann man jederzeit zwischen den Saxophonen wechseln.
Ob Alt- oder Tenorsaxophon ist dann eher Geschmacksache: die meisten Saxophonisten haben sich auf ein Hauptinstrument spezialisiert. (Wichtige Altsaxophonisten sind Charlie Parker, Paul Desmond, Lee Konitz, Ornette Coleman, John Zorn, Steve Coleman uvm., wichtige Tenorsaxophonisten sind Coleman Hawkins, Lester Young, John Coltrane, Wayne Shorter, Michael Brecker, Joshua Redman, Chris Speed,...) Nur wenige Saxophonisten spielen mehrere Saxophone: Sonny Stitt spielte gleichermaßen Alt- und Tenorsaxophon, Roscoe Mitchell spielt die ganz großen und ganz kleinen der  Saxophonfamilie. Gerade in der freien Improvisation ist es gängig, viele Saxophone zu spielen.

 

Sopran oder Bariton?

Das Sopran- und das Baritonsaxophon sind meist Zweitinstrumente. Tenor und Sopran sind eine beliebte Kombination, da beide Instrumente in Bb gestimmt sind. Das Baritonsaxophon ist um einiges schwerer und größer als das Tenor, weshalb es weniger oft gespielt wird. Übliches Einsatzgebiet ist die Bigband, wo das Bariton, oft gemeinsam mit der Bassposaune, den Kontrabass doppelt oder eine weitere Bassstimme spielt.
Es gibt einige Musiker, die sich auf das Sopran- oder auf das Baritonsaxophon spezialisert haben. Berühmte Sopransaxophonisten sind Sidney Bechet, einer der ersten Jazzsaxophonisten überhaupt, oder Steve Lacy, berühmte Baritonsaxophonisten Gerry Mulligan, Stephen "The Funky Doctor" Kupka und Mats Gustafsson, um nur ein paar zu nennen.

 

Welche Marke? Vintage oder neu?

Die Diskussion über die beste Marke und über neu oder alt ist eine viel geführte.
Die Entscheidung zwischen einem neuen und einem Vintage-Saxophon muss sich jede/r selbst überlegen. Es gibt wirklich gute Vintage-Instrumente, das steht außer Frage. Aber um die wirklich guten zu finden muss man schon mal ordentlichen viel Geld hinlegen oder sehr viel Glück haben. Der Nachteil bei sehr vielen Vintage-Saxophonen ist die schlechte Intonation und die oft sperrige Mechanik, an die man sich aber gewöhnen kann. Vintage-Saxophone sind sehr oft Sammelobjekte. AnfängerInnen rate ich davon ab.
Neue Instrumente sind meistens am letzten Stand der Technik. Die Intonationsmängel, die Saxophone oft aufweisen werden so gering wie möglich gehalten, die Mechanik läuft wie geschmiert.

 

Anfänger- oder Profiinstrument?

Nun, das entscheidet oft die Geldtasche. Ich warne vor den ganz billigen Saxophonen: unter 600€ Neupreis ist nichts Gutes, Haltbares dabei! Und auch bei den Einstiegsmodellen der etablierten Marken würde ich eher die bessere Version wählen. Solche Instrumente werden immer gesucht und kann man jederzeit weiterverkaufen.
Wenn man das nötige Geld hat, kann ich aber nur empfehlen, eine Profiinstrument zu kaufen: die sind robust gebaut, haben ein gute Intonation (wobei man immer probespielen sollte – es gibt Nieten) und werden sorgsamer Verarbeitet als die billigeren Saxophone.

Für Kinder empfehle ich aber immer Einstiegsmodelle, da diese eine leichtere Ansprache haben.

 

Ich berate gern beim Kauf eines Saxophons oder eines Mundstücks, wobei letzteres eine andere Geschichte ist!

 

 

Photocredit :http://www.northcountrypublicradio.org/news/npr/237040499/the-birth-of-bird-young-charlie-parker-found-focus-faith-in-music
Altsaxophonist Charlie Parker

 

Photocredit: http://www.allaboutjazz.com/really-ok-chris-speed-skirl-records-review-by-glenn-astarita.php
Tenorsaxophonist Chris Speed

 

Photocredit: https://downtownmusic.net/mats-gustafsson/mats-gustafsson--colin-stetson-07-01-2011#image12
Mats Gustafsson - Baritonsaxophon (rechts), Colin Stetson - Basssaxophonn

 

 

 

 

Saxophonunterrcht in Wien
Ich spiele ein Martin Tenorsaxophon aus dem Jahr 1954. Es hat einen tollen Klang, für zeitgenössische Musik greif ich aber doch lieber zu einem modernen Saxophon